Ist das Wort Fernweh nicht irgendwie unglücklich? Das Gefühl, sich auf die Ferne zu freuen, ist doch ein schönes! Pläne kann man zum Glück das ganze Jahr machen und verreisen auch, denn es gibt unzählige Reiseziele, die es sich auch außerhalb der Hauptsaison zu Entdecken lohnt. Zu einem davon nimmt uns heute Ivonn aka Smeti mit: in einem neuen Teil der Serie SoReiseIch zeigt sie uns die Schönheit der Ostseeinsel Usedom im Frühjahr.
Liebe Ivonn, du warst im Frühjahr auf Usedom. Warum dieses Reiseziel?
Die Sehnsucht nach der See gab den ausschlaggebenden Impuls. Schon als meine Freundin Bertel und ich ein Jahr zuvor spontan am Osterwochenende auf Usedom in Bansin waren, stand fest, dass wir das 2016 wiederholen würden. Im November haben meine Freundin Steffi und ich dann den Ausflug nach Swinemünde geplant und Bertel zum Geburtstag geschenkt. Die Ostsee ist von unserer Heimatstadt Cottbus relativ schnell und unkompliziert mit dem Auto in drei bis maximal vier Stunden zu erreichen und kurz vor Ostern, im März 2016, fuhren wir dann für drei Tage in unseren geplanten Mädchenurlaub.
Beschreibe bitte euren Urlaub in drei Worten.
Muße, Glückseligkeit und Meeresrauschen.
Welches war dein schönstes Erlebnis während der Reise?
Es ist dieser innere Drang, wenn man nach Ahlbeck kommt und zuerst über die Holzplanken der wohl schönsten aller Seebrücken läuft und magisch hinaus auf die Ostsee gezogen wird, die salzige Luft tief einatmet, der Kopf vom Seewind frei gepustet wird und man den gewaltigen Meeresbewegungen entgegnet. Das ist Leben, denkt man dann. Trotz des noch sehr eisigen März Winds, möchte man dann ewig auf einer Bank sitzen, dem Glitzern des Meeres zusehen, das Treiben am Ufer betrachten oder einfach die Augen schließen und den geselligen Gesprächen der Möwen oder dem Getöse der Wellen lauschen.
Wo habt ihr übernachtet?
Im Frühjahr 2016 haben wir in einem kleinen Haus mit dem Namen „Willa Paw“ (deut.Pfau) in unmittelbarer Nähe der Strandpromenade von Swinemünde verbracht. Die Villa bietet wenige, aber dafür großzügige und modern eingerichtete Appartements. Die polnische Seite von Usedom ist im Vergleich zur deutschen Seite sehr viel preisgünster, steht ihr aber in Komfort und Ausstattung um nichts nach. Ganz im Gegenteil, Swinemünde erfreut sich immer mehr an Beliebtheit und das spiegelt sich auch an den typischen Villen entlang der Promenade wider, welche nach und nach wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen und liebevoll saniert werden.
Wo hast du am Besten gegessen?
Bei einem kleinen Italiener in Ahlbeck. Leider habe ich den Namen nicht mehr in Erinnerung. Die Einrichtung war nichts Besonderes, die Speisen nicht gerade typisch für Usedom, aber sehr lecker und original italienisch zubereitet. Entlang der Promenade bieten sich viele Gelegenheiten in kleinen Cafés, Bistros, Restaurants und an Ständen zu verweilen. Von hieraus hat man immer die schönen Villen aus der goldenen Zeit der Bäderarchitektur und die Ostsee im Blick. Besonders ist mir ein kleines Café in Bansin aus unserem Besuch 2015 an der Uferpromenade im Gedächtnis geblieben. Das „Café Asgard“ ist mit seiner hundertjährigen Vergangenheit das älteste Café der Insel und in den Originalzustand zurück restauriert. Liebevoll wurden hier weiße Stofftapeten mit roten Blumen an die Wände gebracht. Hausgebackener Blechkuchen und Torten duften durch den kleinen Besucherraum und im Hintergrund dudelt Musik aus den 20er und 30er Jahren aus den Lautsprechern.
Welche Tipps hast du noch mitgebracht?
Absoluter Touristenmangnet sind natürlich die Seebrücken der drei Kaiserbäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck entlang der Promenade bis hin nach Świnoujście. Die lange Promenade erstreckt sich über eine Länge von zwölf Kilometern und lässt sich entspannt mit einem Fahrrad entdecken oder man läuft einfach zeitverloren direkt am Meer entlang und wird mit einem großartigen Ausblick über die Insel belohnt. Fahrräder kann man übrigens für einen schmalen Taler fast überall mieten. Diese stehen oft schon direkt von den Unterkünften zur Mietung breit.
"Usedom ist wie eine Tankstelle für Herz und Seele!"
Was hat dich auf der Reise am meisten überrascht?
Dass es auf der deutschen Seite der Insel andere Möwengattungen als auf der polnischen heimisch sind. Und das obwohl die Orte nur sehr wenige fußläufige Kilometer verbindet!
Was sind die wichtigsten Dinge im Gepäck für eine solche Reise?
Eine Sonnenbrille und ein gute Sonnencreme fürs Gesicht. Usedom wird nicht ohne Grund die „Sonneninsel“ genannt. Mit durchschnittlich 1900 Sonnenstunden im Jahr ist die Insel regelmäßig die sonnenreichste Gegend Deutschlands. Aber im Frühjahr braucht man natürlich trotzdem immer einen dicken Schal, eine Mütze und ein Paar Handschuhe.
Für wen ist deine Reise genau das Richtige?
Usedom ist wie eine Tankstelle für Herz und Seele, daher lohnt sich auf jeden Fall ein Kurz- oder Wochenendtrip. In der Hochsaison würde ich Usedom allerdings wegen der stätig wachsenden Beliebtheit und der Besucherdichte eher nicht besuchen. Wer es aber wie wir mag, in den kühleren Jahreszeiten Urlaub am Meer zu verbringen, wird mit der wunderschönen Architektur der Kaiserbäder belohnt und kann sich wunderbar erholen, regenerieren und einfach Sein.
Vielen lieben Dank fürs Mitnehmen!